Angekündigt war ein waschechter Backyard Ultra. Was dabei rauskam, nachdem die Distanz altersgerecht eingedampft und 12-Kampf-tauglich zurechtgestutzt wurde, war eher ein „Backyard MINI“ – quasi der Ultra für Leute mit Feierabend-Termin. Die Regel blieb trotzdem gnadenlos: In fest vorgegebener Rundenzeit ging es im Kreis um den Tremser Teich in Bad Schwartau, bis nur noch einer stand.


Bei absolutem Traumlaufwetter erschienen sage und schreibe sieben Recken zum Duell mit sich selbst: Elkimo, Gymlee, Rocket, Blue, DamnOh, ElUffo und Averell. Der Rest der Vereinsmitgliedschaft hatte offenbar Wichtigeres vor, als freiwillig im Kreis zu laufen, bis einem schwindelig wird. Manch einer war im Vorfeld innerlich schon nach einer einzigen Runde fertig mit der Welt – zugetraut hatte mancher sich nicht mehr. Aber 12-Kämpfer bissen sich durch, und aus der einen tapfer anvisierten Runde wurden im Kampfrausch flugs zwei, drei, vier oder mehr. Die Teichenten quittierten das mit sichtlichem Desinteresse.
Bestes Zeitmanagement des Tages: Blue. Der Mann traf Runde für Runde die vorgegebene Zeit so zuverlässig, dass man vermuten könnte, er hätte einen Schweizer Uhrmacher im Blut statt Milchsäure in den Beinen. Für Ordnung an der Homebase sorgte derweil Elkimo, der als Protokollführer und Zeitwächter keine Sekunde die Übersicht verlor – ein Adlerauge, dem selbst im Vorbeihecheln nichts entging. Averell, Rocket und DamnOh liefen Runde für Runde als Erste ins Ziel, was schon nach Podium roch, bevor überhaupt jemand ans Aufgeben dachte. Falsch vermutet:
ElUffo, der mehr mit den Enten watschelte als eigentlich lief, zog emsig seine Bahn. GymLee, eigentlich Burpee-Virtuose, fand sich hier fernab seines Kerngeschäfts wieder und lief stattdessen brav Runde um Runde – Kniebeugen können warten, wenn ein Teich zu umrunden ist. Rocket zog ein ums andere Mal in die nächste „letzte Runde“ ein, musste sich aber von Mister Timing auf Platz vier verweisen lassen.
Am Ende war’s dann Averell gegen DamnOh, die sich um die letzte Runde stritten wie die Enten um ein Stück Brot. Irgendwann war es aber so weit: Mit Pokerface noch angetreten, offenbarte Averell nach 10 Metern den Ausstieg. DamnOh lief seine Runde vorbildlich innerhalb des Zeitlimits ins Ziel und stand als Sieger fest, während der Rest sich fragte, ob man beim nächsten Mal vielleicht doch Bank statt Bahn wählen sollte.
 
Das Zusatzevent:

Parkplatz-Battle – wenn der Ultra eigentlich schon vorbei ist
Doch damit war der Wettkampf noch lange nicht beendet. Nachdem sich ElUffo und Gymlee schweren Herzens dazu entschieden hatten, nicht weiter anzutreten, kümmerte man sich bereits um die Heimfahrt. Schließlich war der sportliche Teil erledigt, die Beine müde und der Gedanke an Dusche, Sofa und wohlverdiente Kalorienzufuhr durchaus verlockend. Doch dann der entscheidende Moment:

Der fahrbare Untersatz war ordnungsgemäß am weltbekannten Teichstadion abgestellt worden. Was man allerdings in der Euphorie des Wettkampfes irgendwie verdrängt oder schlicht vergessen hatte: Es handelt sich um einen abschließbaren Parkplatz. Und plötzlich standen die beiden 12-Kämpfer vor einer völlig neuen sportlichen Herausforderung.
Nicht mehr „Wie viele Runden schaffe ich noch?“, sondern: „Wie kommen wir jetzt eigentlich an das Auto?“
Damit war das Zusatzevent eröffnet – und dieses sollte tatsächlich noch einmal sämtliche Qualitäten eines internationalen Spitzenwettkampfes offenbaren: strategisches Denken, Improvisationskunst, Hartnäckigkeit und vor allem die Fähigkeit, im richtigen Moment die richtigen Stellen einzuschalten. In weltmeisterlicher Manier wurde schließlich die öffentliche Ordnung hinzugezogen – stilecht in Vereinskleidung, dunkelblau, ehemals Forstgrün – sowie der Betreiber des Teichstadions. Gemeinsam wurde die knifflige Situation analysiert, bewertet und einer professionellen Lösung zugeführt. Mit vereinten Kräften konnte das scheinbar unüberwindbare Hindernis schließlich bezwungen und der fahrbare Untersatz seiner eigentlichen Bestimmung – nämlich der Heimfahrt der beiden 12-Kämpfer – wieder zugeführt werden. Damit war auch das Zusatzevent erfolgreich beendet. Leider können hierfür keine Zusatzpunkte vergeben werden. Zum einen existierte hierfür kein offizieller Wettkampfmodus, zum anderen wäre die Punktevergabe angesichts der außergewöhnlichen Unterstützung durch die öffentliche Ordnung und den Betreiber vermutlich ohnehin Gegenstand einer nachträglichen Regeldiskussion geworden.
 
Fazit
Ein kurzweiliges, feines 12-Kampf-Event, bei dem deutlich härter gekämpft wurde als ursprünglich gedacht – und alle Teilnehmer weit über die eigenen Erwartungen hinausgewachsen sind.

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